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Dorfgeschichte Drucken E-Mail
Es folgte eine schwierige Zeit, in der sich das Leben wieder normalisieren sollte. Zunächst aber mit unterschiedlichen Gefühlen; einzelne Familien sind durch den Tod des Vaters und der Söhne auseinandergerissen worden; Freude herrschte dagegen im Ort, als die Kriegsgefangenen allmählich wieder zurückkehrten.
Viele Großstädter zogen über die Dörfer, um Nahrungsmittel einzutauschen. So kam auch das Ährenlesen auf den abgeernteten Getreidefeldern wieder zu Ehren und manches im Freien stehende Kartoffelständerle war am nächsten Morgen geleert.
In dieser Zeit nach Kriegsende drehte sich der Alltag fast nur um Bezugsscheine und Marken für Lebensmittel, Kleidungsstücke, Waschmittel, ja sogar Eierkarten für die Hühner wurden ausgegeben; da Zucker ein "Luxusartikel" war, wurden als Ersatz Zuckerrüben zu Sirup gekocht. Ähnlich verhielt es sich mit dem Speiseöl, doch da half die Natur mit dem reichen Bucheckernjahr 1946 nach. Jung und alt zog in den Wald, um diese Früchte zu sammeln und in der Ölmühle verarbeiten zu lassen.

Als aber im gleichen Jahr nach dem Potsdamer Abkommen der Siegermächte die Ausweisung deutschstämmiger Menschen aus der Tschechoslowakei, Rumänien, aus Ungarn und den deutschen Ostgebieten begann, kam eine Völkerwanderung größten Ausmaßes in den ländlichen Raum des in Besatzungszonen zerrissenen Deutschlands. Im Mai 1946 trafen auch bei uns die ersten Flüchtlinge ein, wo sie in wenigen Stunden mit ihren geringen Habseligkeiten in den Bauernhäusern und Wohnungen untergebracht werden mußten.

War die erste Sorge, den Menschen ein Dach über dem Kopf zu geben, sie mit dem Allernotwendigsten auszustatten, so stellte sich bald heraus, daß die Integration nicht leicht sein wird.

Die Einheimischen hatten selbst mit den Schwierigkeiten der Nachkriegszeit zu kämpfen und die Neubürger suchten Arbeit, die sie in unserem ausschließlich landwirtschaftlich orientierten Ort nur vereinzelt finden konnten. Aber auch im Umkreis waren die Dauerarbeitsplätze dünn gesät, so daß sie auf saisonbedingte Bauarbeiter- und Hilfsarbeitertätigkeiten angewiesen waren.

Eine Situation von der alle Gemeinden betroffen waren und die schließlich zur Festlegung von sogenannten Aufbaugemeinden als gewerbliche Mittelpunkte für den Bereich ihrer ländlichen Umgebung führte.

In diesen Aufbaugemeinden wurde zusätzlich der Wohnungsbau gefördert, so daß einige der Neubürger die beengten Verhältnisse in Leibenstadt recht schnell wieder verließen.

Überall ist wieder Leben eingekehrt und auch die erneute Geldentwertung bzw. Währungsreform von 1948 konnte den Wiederaufbau und den Reformwillen nicht bremsen. Durch viele Hände Arbeit wurde auch bei uns die Landwirtschaft intensiviert; es begann die Zeit der Mo torisierung und Mechanisierung in den Betrieben, die wachsend fortschritt. Es entstand eine ausgewogene Struktur von Vollerwerbs-, Nebenerwerbs- und Kleinlandwirten, die für viele Familien eine gesicherte Existenzgrundlage bildete. Zusätzliche Arbeitsplätze in aufstrebenden Betrieben wie die AGRIA-Werke in Adelsheim und Möckmühl, die Salamander in Osterburken, die PUCARO Roigheim oder Baufirmen rechtfertigten den Wahlspruch des damaligen Wirtschaftswunders - "Wohlstand und Arbeit für alle".

Bis weit in die 60er Jahre hinein hielt diese Entwicklung an, ehe die Unsicherheiten der europäischen Landwirtschaftspolitik, die Überproduktion und die allgemeine Wirtschaftslage bis heute weitere sinnvolle Wachstumsschritte beeinträchtigten.
Gefordert war plötzlich das leistungsfähige Großunternehmen.

Diesem Trend Rechnung getragen hat das mit dem Bau der Bundesautobahn A 81 (Heilbronn-Würzburg) im Jahre 1971 auf der Gemarkung Leibenstadt eingeleitete Flurneuordnungsverfahren, an dessen Ende ertragreiche Großgrundstücke standen. Viele Klein- und Nebenerwerbslandwirte haben im Hinblick auf ihre künftige Erwerbslage ihre Betriebe aufgegeben und die Feldgrundstücke verpachtet, so daß unsere Gemarkung heute neben einigen auswärtigen Pächtern noch von 6 Nebenerwerbs- und 3 Haupterwerbslandwirten bewirtschaftet wird.

Aber auch im öffentlichen Leben sollte der bescheidene dörfliche Charakter nicht mehr zeitgemäß sein.

So wurde 1966 unsere alte Dorfschule, in der wir noch alle lesen, schreiben und rechnen gelernt haben, im Zuge der Schulreform zunächst durch eine Hauptschule im Zentralschulort Adelsheim, in der die Oberstufe zusammengefaßt war und später auch durch eine zentrale Grundschule, ersetzt, so daß die Leibenstadter Schule mit Beginn der Sommerferien 1969 endgültige ihre Pforten schloß.

Wenig später sollte sich die kommunalpolitische Landschaft ändern.
Durch die Verwaltungsreform in Baden-Württemberg, die u. a. die Gemeinde- und Kreisreform beinhaltete, wurde eine Vielzahl von kleinen Gemeinden mit anderen Gemeinden zu größeren und leistungsstärkeren Verwaltungseinheiten zusammengeschlossen, um den gestiegenen Ansprüchen unserer Bürger und der Verpflichtung der Gemeinden, im Bereich der öffentlichen Dienstleistungen eine Vielzahl von kostspieligen Einrichtungen zur Verfügung zu stellen, gerecht zu werden. Nach anfänglichen Überlegungen über eine Fusion der drei bäuerlichen Nachbargemeinden Korb, Unterkessach und Leibenstadt hat der Gemeinderat nach einer am 13. Juni 1971 durchgeführten Bürgerabstimmung, die mit 94 Ja- und 61-Neinstimmen für Adelsheim votierte, in seiner Sitzung am 3. September 1971 einstimmig die freiwillige Eingliederung in die Stadt Adelsheim zum 1. November 1971 beschlossen. Aus heutiger Sicht ist dem damaligen Bürgermeister Lauer und seinen Gemeinderäten noch nachträglich alle Achtung zu zollen.

Neben der freiwilligen Aufgabe der Selbständigkeit haben sie erkannt, daß in der neuen Verwaltungsgemeinschaft die Stadt Adelsheim als sogenannte "erfüllende Gemeinde" die politische Verantwortung trägt, die auf einer soliden finanziellen Basis die umfangreichen Aufgaben in unserem Heimatort Zug um Zug ermöglicht hat, so daß sich Leibenstadt in seinem Jubiläumsjahr als geordnetes schmuckes Dörtlein präsentieren kann.