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Dorfgeschichte Drucken E-Mail
Wie die Geschichte gezeigt hat, hat sich die Situation der Landbevölkerung nach der Niederschlagung der Aufstände eher verschlechtert als gebessert. Aber auch hier erwies sich Eberhardt als verantwortungsvoller Dorfherr und verschonte die Bauern von zusätzlichen Lasten.

In den folgenden Jahren vergrößerten die Herren von Gemmingen durch zahlreiche Zukäufe ihre Güter. Nachdem sie im Jahre 1535 vom Kloster Schöntal auch das letzte Drittel der Vogtei und die Fronden erworben hatten und 1568 das Seligenthaler Klostergut in Leibenstadt an sich brachten, war unser Dorf vollständig im Besitz dieses Adelsgeschlechtes und die Unterthanen zu Leybenstat seint Eberhardt allein des Orts ihrem Vogt und Dorfherrn ewiglich und jährlich zu fronen mit der Hand und Mähn, ohne Weygerung zu thon schuldig.

Die Landbevölkerung hatte sich noch nicht recht von den Folgen der Bauernunruhen erholt, da sollte sie auch schon wieder von den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) überrollt werden.

Wenn auch Leibenstadt in den ersten Kriegsjahren nicht betroffen war, so kam die Kriegsfurie nach der Schlacht bei Nördlingen (1634) auch in unsere Gegend.
Beim Herannahen des Heeres flüchteten die Leibenstadter mit ihrem Vieh und ihrer geringen Habe in den nahen "Buchwald", wurden aber von den Tilly'schen Truppen, insbesondere von den Kroaten, hervorgezerrt und von den durch Blut und Krieg verwilderten Soldaten auf bestialische Art und Weise niedergemetzelt.

Der Ort ging in Flammen auf und nur wenige Ortsbewohner entkamen diesen Grausamkeiten. Als Obdachlose irrten sie in der Fremde umher und kehrten erst nach Monaten oder Jahren wieder in ihre Heimat zurück, wo sie Haus und Hof in Trümmern und die Felder im Unkraut verwildert vorfanden. Nur mit mühevoller Handarbeit konnten sie dem Boden gerade so viel abgewinnen, um ein kümmerliches Leben zu fristen.

Eine genaue Schilderung der damaligen Lebensumstände hat der Dorfherr Wolf von Gemmingen wie folgt niedergeschrieben:
Diese bösen Zeiten können meines Erachtens nicht verderblicher sein. Wir liegen zugrunde und haben keine Hoffnung mehr aufzukommen. Auch die unentpärlichen Lebensmittel sind uns entgangen und wir gedenken mit Verwunderung, daß uns Gott biß auf diese Stunde erhalten. Unsre Häuser sind in Flammen uffgangen von allen unßeren Lehen haben wir nicht ein Korn bekommen - unßere Hofleut sind an den Bettelstab geraten und vermögen wir ihnen von unßeren Gütern nicht ein Stück Brod vor der Tür zu geben. Unßere Pferde haben die Unterthanen verzehrt. Was sich bis jetzt noch erhalten, das muß diesen Winter und weil die Frucht nach der Ernte aufgeschlagen verjammern, verhungern, verschmachten und mit einem Mordgeschrei zu Gott vergehen, in summa: wir sind mit solchem Jammer überstürtzt, daß wir Blut schwitzen möchten und uns selber einander ohne Zerbörstung des Gemüts nicht ansehen können.
Das Wehklagen der Unterthanen läßt sich nicht verbergen und tun zu wissen, daß die Dörfer in Asche und die Gemeinden im Grabe liegen. Was wir noch vor 2 Jahren aus der Kellerei bekommen haben, haben in diesem Jahr Franzosen, Schweden, Teutsche, Welsche, Italiener, Spanier, Kroaten, Ungarn und Polaken verzehrt.
Alle Nationen haben sich zu unserem Verderben gesammelt.

Von den Folgen des Dreißigjährigen Krieges hat sich unser Heimatort nur recht langsam erholt.

In den folgenden Friedensjahren waren die Bewohner bestrebt, wieder zu bescheidenem Wohlstand zu gelangen. Aber auch in diesen Bemühungen mußten sie zu Beginn des 18. Jahrhunderts wiederholt empfindliche Störungen hinnehmen.
Im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) marschierten unzählige Truppen durch unseren Raum, und wieder wurden die Dörfer ausgeraubt, ausgeplündert oder mußten für Unterbringung und Verpflegung der Kriegsheere aufkommen.

In den weiteren Kriegen der europäischen Königshäuser im 18. Jahrhundert waren zwar wieder große Truppenbewegungen in unserer Gegend, von denen aber unser Heimatort nicht betroffen gewesen sein dürfte.

Dagegen hatten die Launen der Natur kein Erbarmen mit unseren Vorfahren.
Am 29. September 1732 ging ein wolkenbruchartiger Regen nieder, der großen Schaden anrichtete, indem die Wassermassen Menschen und Tiere, ja sogar Häuser fortrissen.
An Ostern, 19. April 1767, fiel ein tiefer Schnee und eine grimmige Kälte trat ein, so daß die Früchte des Feldes starke Not litten.
1770 geriet die gemischte Frucht (Roggen und Dinkel) nicht und was da war, konnte wegen des Regenwetters erst nach Bartholomä (24. August) geerntet werden.
1771 brach eine große Hungersnot aus . . . Getreide konnte von nirgends her bezogen werden, da in allen Ländern, Städten und Dörfern die Sperre verhängt worden war. Die Leute bereiteten sich deshalb aus Kleie, Kräutern, Wurzeln, eichener Rinde und dergleichen Speisen und Brot.

All diese Ereignisse führten zu einer drückenden Armut, die viele unserer Vorfahren zum Betteln zwang. Nicht selten wurde gegen einen Laib Brot ein Acker verkauft, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können. Die Flurnamen "Hungeräcker" und "Hutzelwiesen" erinnern heute noch an jene Hungerjahre.

Um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert gerät die politische- und soziale Ordnung Deutschlands in Wanken. Mit dem Ansturm der französischen Revolutionsarmeen unter Napoleon bricht das territorial zersplitterte - Heilige Römische Reich Deutscher Nation - schließlich zusammen und wird 1803 durch den Reichsdeputationshauptschluß neu geordnet.

Die Umsetzung dieses Beschlusses, der letztendlich die Entschädigung für verlorene linksrheinische deutsche Gebietsabtretungen beinhaltete, erfolgte durch die sogenannte Säkularisierung (= Aufhebung der geistlichen Herrschaftsbereiche) und die Mediatisierung (= Aufhebung der Reichsunmittelbarkeit). Dies hatte zur Folge, daß Millionen von Menschen ihre Herrschaftszugehörigkeit wechselten. Ein politischer Vorgang, dessen Anwendung sich am Beispiel Leibenstadt eindrucksvoll nachvollziehen läßt.

Kurfürst Friedrich von Württemberg hatte am 19. November 1805 seinen Oberamtmann in Möckmühl unter Beifügung einer Namensliste schriftlich angewiesen,
daß es in seiner Gegend noch einiges zu erobern gäbe . . . also sind in Besitz zu nehmen:
1. alle in und an Churfürstlichen alten und neuen Staaten gelegene ritterschaftliche Besitzungen,
2. alle Besizungen des Deutschen und Johanniter-Ordens in und an Churfürstlichen Landen.
3. alle, zu noch bestehenden Kraft des neuen Reichsschlusses noch nicht secularisierten Güter und Gefälle innerhalb und an den Grenzen der Churfürstlichen Lande,
mit Ausnahme der Churpfalz-Bairischen und Churbadischen.
. . . die Ortsvorstände sind zu verpflichten und die ritterschaftlichen Steuergelder bis auf weitere Verfügung an die Cantons-Cassen einliefern zu lassen.

Auf diese Art und Weise kam Leibenstadt mit Tollnaishof am 23. November 1805, trotz der "Protestation und Einlegung des Vorbehalts der Rechte der Herrschaft"zum Kurfürstentum Württemberg.

Jedoch währte diese Herrschaft nicht lange.Nachdem Kurfürst Carl Friedrich von Baden am 12. Juni 1806 die Rheinbundakte unterzeichnet hatte, wurde er neben der Ernennung zum Großherzog zusätzlich mit umfangreichen Gebietserweiterungen belohnt, die aber teilweise mit den "Abrundungsgedanken" der württembergischen Lande kollidierten.