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Dorfgeschichte Drucken E-Mail


Geschichte - für viele ist das eine mehr oder weniger trockene Angelegenheit, eine Anhäufung von Namen und Daten, die man irgendwo gehört oder gelernt und danach wieder vergessen hat. Aber diese Geschichte ist eben nicht nur eine Zusammensetzung aus leblosen Jahreszahlen und nüchternen Fakten, sondern sie war einmal Alltag, erfüllt mit Leben, Hoffnungen und Ängsten, Träumen, Krankheiten und persönlichen Erfahrungen vieler Frauen, Männer und Kinder.

Viele Dinge aus der Frühzeit unserer Vorfahren können aufgrund fehlender schriftlicher Überlieferungen gar nicht mehr direkt nachvollzogen werden.
Allein aus den Erkenntnissen der historischen Wissenschaft kann auf eine vorgeschichtliche Besiedlung unseres Raumes geschlossen werden.
Stumme Zeugen wie Gräber, Skelette, Geräte, Waffen oder Fundamentreste dienen dabei als unentbehrliche Hinweise. Doch damit ist unsere Gemarkung nur spärlich gesegnet. Lediglich ein im Jahre 1964 aufgefundenes Steinbeil läßt uns auf die Spuren frühgeschichtlichen Lebens auch in Leibenstadt stoßen. Weitere Funde oder gar Reste von Ansiedlungen aus jener Zeit sind nicht bekannt.

Es kann aber trotzdem angenommen werden, daß die Menschen damals als umherziehende Sammler und Jäger unseren Raum durchstreiften. Verstärkt wird diese Annahme dadurch, daß in den kalten Perioden der Steinzeit gro ' ße Teile Deutschlands und Mitteleuropas mit Eis bedeckt waren und sich in den wärmeren Zeiten dazwischen ein Urwald ausbildete, der von den Menschen gemieden wurde. Wie zahlreiche Funde in Mittel- und Nordeuropa verdeutlichen, wurden daher die Küstengebiete als Lebensraum bevorzugt.

Erst nachdem sich die klimatischen Verhältnisse stabilisiert hatten, drangen die Menschen über die Flußtäler auch in das Landesinnere, begannen mit der Bearbeitung des Bodens, um sich schließlich in Flußnähe, Seen oder Waldlichtungen in dörflicher Gemeinschaft "häuslich" niederzulassen und einzurichten.
Durch die Anhäufung und Vergrößerung dieser sogenannten Sippen, bildeten sich allmählich Volksstämme mit eigener Kultur und Denkweise.

Diese Stämme versuchten nun stets ihren Lebensraum und Einflußbereich zu erweitern. Dabei verschmolzen sie mit verschiedenen bereits ansässigen Stammesgruppen. Aus dieser Verschmelzung gingen uner anderem auch die unterschiedlichsten Gruppen der Germanen und die ihnen nahe verwandten Kelten hervor, die gemeinsam den weiteren Verlauf der mitteleuropäischen Geschichte bestimmen sollten.

Diese kurze Zusammenfassung der menschlichen Entwicklung und Entfaltung in der Frühgeschichte dauerte in Wirklichkeit viele Jahrtausende (ca. 600 000-800 v. Chr.) und wurde in Anlehnung an den jeweils wichtigsten Rohstoff, der zur Herstellung der gebräuchlichen Geräte, Werkzeuge und Waffen diente, eingeteilt in die Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit. Ab dem 7. Jh. v. Chr. beginnt, wie schon angedeutet, die Zeit der Auseinandersetzungen zwischen Germanen, Kelten und später dann den Römern.
Zunächst breiteten sich die keltischen Stämme sehr rasch aus und hatten auf dem Höhepunkt ihrer Macht bis zum 3, Jh. v. Chr. in Mittel- und Westeuropa einen bedeutenden Kulturraum geschaffen. Jedoch konnte es durch diese Ausdehnung und der damit verbundenen Zersplitterung nicht ausbleiben, daß die Widerstandskraft gegen die von Norden nachdrängenden Germanen erheblich schwächer wurde, und sie daher letztendlich auch unter dem Druck der Ausdehnung des Römischen Reiches seit dem 1. Jh. v. Chr. immer mehr zurückgedrängt wurden.

Die folgenden Jahrhunderte werden nun vorn Kampf zwischen Germanen und Römern geprägt. Nach mehr oder minder großen Gefechten und der ständigen Bedrohung durch die Germanen sicherten die Römer schließlich ihre Grenzprovinzen zwischen
den natürlichen Abgrenzungen Rhein und Donau durch einen Grenzwall - den Limes - ab. Mit dem Bau dieser Grenzbefestigung in den Jahren 83/84 n. Chr. und der Erweiterung um 155 n. Chr. wurde auch, leider aber irrtümlich, die Entstehungsgeschichte von Leibenstadt in Verbindung gebracht.

Nachdem die Germanen über Main und Donau zurückgedrängt und die Ausbauarbeiten am Limes zu einer festen Grenze beendet waren, begann eine Zeit der Ruhe, in der die Römer dieses Grenzgebiet besiedelten. Als sogenanntes Dekumatenland wurde es gegen Auferlegung jährlicher Abgaben von Kriegsveteranen und Teilen der ansässigen Restbevölkerung bewirtschaftet. So entstanden kleinere Siedlungen im Einzugsbereich der kastelle, die für die Versorgung der Besatzungstruppen verantwortlich waren.

Da der Limes auch unsere Gemarkung berührte, die von zwei Römerstraßen, der von Jagsthausen und der von Möckmühl zum Kastell nach Osterburken, durchzogen wurde, aufgrund der Fundamentreste eines römischen Wachturmes am "Oberkessacher Waldacker" und der Annahme, daß auch die Quellen am "Dollishof" und "Geberndli" in der Römerzeit gefaßt wurden, schrieb man die Gründung unseres Heimatortes einem römischen Unterfeldherrn namens Liubilo zu, der hier sein Standquartier hatte und für die Bewachung dieses Limesabschnittes verantwortlich war.

Diese Behauptung kann jedoch nicht nachgewiesen werden und entbehrt jeder geschichtlichen Grundlage. So müssen wir wohl die Geburtsstunde unseres Heimatortes noch einige Jahrhunderte abwarten.

Zunächst begann um 200 n. Chr. die Zeit der großen Völkerwanderung.
Ausgelöst durch Klimawechsel, Bevölkerungszunahme und einer damit verbundenen Landnot, wanderte eine Vielzahl germanischer Stämme von Norden nach Süden und stieß dabei immer wieder gegen den Limes vor. Etwa 260 n. Chr. gelang es schließlich den Allemannen, den Grenzwall auf breiter Front zu durchbrechen und das gesamte Dekumatenland zu erobern.

Damit war die Herrschaft Roms in unserem Raum beendet. Ab 257 n. Chr. dehnten sich die Franken langsam von der Rheinlinie südwestwärts aus, beseitigten die Reste des westrornischen Reiches und verdrängten nach einer blutigen Schlacht am Oberrhein im Jahre 497 unter ihrem König Chlodwig auch die Allemannen.

Nach der Sicherung des neubesetzten Gebietes, entstanden in der näheren Umgebung der neuerrichteten fränkischen Kastelle die ersten Siedlungen. Da jedoch die fränkischen Bauern in erster Linie den Ackerbau betrieben, benötigten sie immer größere Nutzflächen und begannen deshalb in der Mitte des 7. Jh. mit umfangreichen Waldrodungen.