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Dorfgeschichte Drucken E-Mail
Die Front kam näher und näher, immer mehr machte sich der Krieg auch für die Einwohner von Leibenstadt bemerkbar.

Am Nachmittag des 14. Oktober 1943 zogen ganze Bomberverbände am Himmel entlang, die soeben Schweinfurt in Schutt und Asche gelegt hatten. Plötzlich entwickelte sich über der "Hessel" durch angreifende deutsche Flieger ein Luftkampf, bei dem ein amerikanisches Flugzeug abgeschossen wurde und kurz vor der Jungviehweide abstürzte. Leere Treibstoffkanister und Hülsen der Bordwaffen "regneten" auf die Felder; die Leute auf den Äckern flüchteten zu ihrem Schutz in den nahen Wald - mit Ausnahme von Johann Friedlein, der mit einer Bemerkung über sein fortgeschrittenes Alter von 74 Jahren eisern bei Pferd und Wagen auf dem Acker blieb.

In der Nacht vom 4. Dezember 1944 färbte sich der Horizont über dem "Hesselwald" blutrot, als Heilbronn mit Phosphorbomben vernichtet wurde und über 6000 Menschen bei lebendigem Leibe verbrennen mußten.

Immer häufiger wurde nun auch die Landbevölkerung bei der täglichen Feldarbeit gestört, die nur noch in ständiger Angst vor möglichen Angriffen der feindlichen Jagdbomber verrichtet werden konnte.

Seit Dezember 1944 zogen zurückweichende und vorrükkende deutsche Truppen durch unseren Heimatort. Abgekämpft und ausgebrannt waren sie für jede kleine Aufmerksamkeit der Bevölkerung sehr dankbar und viele Frauen steckten ihnen im Vorbeigehen schnell noch etwas Eßbares zu.

Anders war es in den letzten Märztagen 1945 als Leibenstadt von der SS-Einheit "Götz von'Berlichingen" aufgesucht wurde. Auf Befehl mußten die Bauern abends während der Stallarbeit mit ihren Pferdegespannen Geschütze und Wägen über Widdern, vorbei am Seehaus bis in den "Hardthäuser Wild" befördern, wo sich in den folgenden Tagen schwere Kämpfe abspielten.

Etliche dieser Soldaten hatten sich in die Feldscheune unterhalb des Friedhofes abgesetzt, sind jedoch von amerikanischen Soldaten in deutschen Uniformen aufgespürt worden. Am Nachmittag des 3. April 1945 flog zwar ein Aufklärungsflugzeug wiederholt über den Ort hinweg und auf der "Adelsheimer Höhe" waren vereinzelt Soldaten zu erkennen. Da man das Auftauchen der Amerikaner erst in ein paar Tagen erwartete, wurden sie als eigene Truppen eingestuft und alle gingen wie gewohnt ihrer Arbeit nach. *Ein Irrtum, der sich plötzlich lautstark bemerkbar machen sollte. In unmittelbarer Nähe des Friedhofes schlugen Granaten ein, da in der genannten Scheune noch deutsche Soldaten vermutet wurden, die sich aber bereits wieder abgesetzt hatten.

Aufgeschreckt versuchten einige Bauern über die Felder im toten Winkel der Angreifer zurück ins Dorf zu gelangen, andere blieben abwartend auf dem Acker und wieder andere suchten Schutz im "Hergstbach".

Und wieder konnte einen betagten Leibenstadter all diese Aufregung nicht beeindrucken. Ludwig Trumpp fuhr mit seiner Schubkarre seelenruhig im Bach entlang, bis er schließlich unter dem "See'ze-Brückle" ankam.

Nachdem die Einwohner die Nacht in den Kellern verbrachten und der folgende Tag ruhig blieb, wurde das Feuer am frühen Morgen des 5. April wieder eröffnet.
Dabei erhielt das Gerner's Haus im "Hesselweg" (heute Thomas Sigmeth) einen Treffer und bei Tagesanbruch schlug eine Granate im Pfarrhaus ein.

Glücklicherweise kamen keine Personen zu Schaden. Wenig später jedoch wurde vor dem Haus von Christian Kubach (heute Markus Johrnann) ein russischer Zwangsarbeiter von einem Granatsplitter tödlich getroffen.

Bürgermeister Lauer eilte den Amerikanern mit weißer Fahne entgegen, um unseren Heimatort zu übergeben.

Es war ein Glück für Leibenstadt, daß die Hauptkampflinie in einiger Entfernung vorbeiging, so daß die Besetzung kampflos verlief, aber dennoch von Furcht und Schrecken geprägt war.

Gegen 10:00 Uhr erfolgte der Einmarsch der amerikanischen Truppen: Sofort wurden viele Häuser zur Einquartierung beschlagnahmt, wodurch die Bewohner gezwungen waren, sich in Stall und Scheune aufzuhalen.

Weiter wurde eine Sperrstunde von 22:00 Uhr - 05:00 Uhr verhängt.

Zum Verlassen des Dorfes brauchte man einen besonderen Ausgangserlaubnisschein. Bürgermeister Lauer wurde wegen seiner Parteizugehörigkeit des Amtes enthoben und Altbürgermeister Vogel kommissarisch eingesetzt.

Nach der bedingungslosen Kapitulation der gesamten deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 zogen die Amerikaner nach und nach wieder ab, die Dortmunder und Karlsruher Kinder, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter konnten wieder in ihre Heimat zurückkehren.;

Im Sommer 1945 wurde Leibenstadt nochmals für ca. 6 Wochen von amerikanischen Truppen belegt. Nach deren Abzug war auch bei uns der Krieg zu Ende.

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Auszug aus dem Heimatbuch