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Dorfgeschichte Drucken E-Mail
In einem Gebietsaustausch zwischen Baden und Württemberg kam Leibenstadt noch im Jahre 1806 unter Großherzoglich Badische Oberhoheit und wurde 1807 dem Bezirksamt Osterburken des Main- und Tauberkreises zugeordnet.

Aber schon bald schwebten dunkle Wolken über dem gerade erst zusammengefügten badischen Land.

Noch rechtzeitig erkannte der Großherzog die drohende Gefahr im Falle eines napoleonischen Niederganges, verließ den Rheinbund und schloß sich im Jahre 1813 der Koalition zur "Befreiung Deutschlands" an. Für unseren Heimatort bedeutete dieser Schritt aber wieder zusätzliche Belastungen.

Zur Versorgung der durchströmenden russischen Befreiungstruppen hatte das Amt Osterburken für das Jahr 1815 für 56 352 Mundportionen und 22 946 Fouragerationen aufzukommen, von denen Leibenstadt 2092 bzw. 689 zu erbringen hatte.
Zudem folgten 1816/17 zwei Hungerjahre, die traurige Zeiten erahnen ließen.
In dieser Phase versuchte das Großherzogtum Baden durch verschiedene Reformen die Landbevölkerung zu entlasten. 1819 wurde die Leibeigenschaft aufgehoben und mit dem Ablösungsgesetz von 1838 sollten die alten Abgaben und Lasten endgültig abgeschafft werden.

Doch die gefordertetn Ablösungskapitalien machten die finanzielle Not noch größer, obwohl die Staatskasse einen Teil der Schuld übernahm.
Einzelne Personen und auch ganze Familien suchten daher einen Ausweg in der Auswanderung.

In dieser Zeit politischer, wirtschaftlicher und sozialer Veränderungen, die den Verlust der Selbstherrlichkeit des Adels und die teuer erkaufte Freiheit unserer Vorfahren zur Folge hatte, wurde Leibenstadt im Jahre 1839 dem neugebildeten Bezirksamt Adelsheim zugeteilt.

Die revolutionären und kriegerischen Unruhen nahmen weiter ihren Lauf - 1866 im "Deutschen Krieg" und 1870-71 im Deutsch-Französischen Krieg, an dem auch 9 Leibenstadter teilnahmen, die alle wohlbehalten in ihre Heimat zurückkehrten. Nach siegreichem Feldzug wurde das Deutsche Reich gegründet und Wilhelm 1. von Preußen zu dessen Kaiser erhoben.

In den nun folgenden 4 Jahrzehnten kehrte wieder etwas Ruhe in unserer Heimat ein und unsere Vorfahren hatten Gelegenheit, sich um eine kontinuierliche Entwicklung unseres Dorfes zu kümmern. Die Bereitstellung der Allmendfelder an die berechtigten Bürger und die seit 1845 intensivierte Waldwirtschaft trugen dazu bei, daß auch in Leibenstadt eine neue Zeit anbrach, die in der Gemeinde die Bildung eines gewissen Vermögensgrundstockes und somit die Ausführung unterschiedlicher gemeinnütziger Maßnahmen ermöglichte.

Im Jahre 1879 wurde ein neues Schulhaus gebaut; von 187981 wurde die erste Katastervermessung unserer Gemarkung durchgeführt, in deren Verlauf auch das erste öffentliche Feldwegnetz angelegt wurde; 1899 erhielt Leibenstadt die erste eiserne Wasserleitung und im Jahre 1907 wurde im Haus des Wilhelm Friedrich Vogel im Grabenweg (heute Nies) die erste Postagentur eingerichtet, die 1908 duch eine Telegraphenanstalt ergänzt wurde.

Als man sich gerade mit der elektrischen Stromversorgung beschäftigte, wurden diese Bemühungen durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen. Am 2. August 1914 verkündeten die Klänge der Kirchenglocken und die der Trommel von Christian Wüst, der in seiner aktiven Militärzeit als Tambour ausgebildet wurde, den Mobilmachungstag.

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Auszug aus dem Heimatbuch