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Dorfgeschichte Drucken E-Mail
Hierbei finden wir in der Erforschung und Deutung der Ortsnamen eine große Hilfe. Demnach entstanden die "stattOrte" (= Stätte) tatsächlich während der fränkischen Ausdehnung im 7.-9. Jahrhundert und erhielten als näheres Bestimmungswort den Namen der die Besiedelung durchführenden Edelmänner oder Heerführer.

Leibenstadt ist also ursprünglich die Stätte des Lubilo oder Liubilo, der somit nicht römischer Herkunft sondern wohl ein fränkischer Edeling war.
Da über einen eigenen Ortsadel keine Aussage getroffen werden kann, darf wie bei den meisten "statt-Orten" davon ausgegangen werden, daß Leibenstadt als Königsgut gegründet wurde.

Haben wir bisher versucht, die Gründung von Leibenstadt näher zu erkunden, so wollen wir nun die erste urkundliche Erwähnung nachweisen. Diese ersten schriftlichen Zeugen sind im Regelfall das Ergebnis eines getätigten Rechtsgeschäftes, wie Kauf, Verkauf oder Schenkung von Grundbesitz oder Einkünften. Eine wahre Fundgrube solcher Dokumente sind die Klosterarchive, die ab dem 12. Jh. begannen, Abschriften und Urkunden in einem einzigen umfangreichen Buch, dem Kopialbuch, zu vereinigen.
Einer solchen Urkunde von 1293, nachgewiesen im Kopialbuch des Klosters Schöntal, verdankt auch Leibenstadt seine erste schriftliche Erwähnung) nach der der Edle Ruprecht von Dürn einen Teil seiner Güter in Lubelstatt an das Kloster Schöntal verschenkte und zwar das Gut,das Hermann von Lobenstein zu Lehen trug und ein anderes, mit dem Ritter Berngen von Berlichingen belehnt war.

Nach dieser ersten überlieferten schriftlichen Quelle waren die Edlen von Dürn (= Walldürn) auch die ersten Dorfherren.
Nachgewiesen werden kann diese Dynastie ab 1172 in kaiserlichen Urkunden. Demnach befanden sie sich häufig in höfischer Umgebung und erhielten zahlreiche Gunstbezeichnungen. So liegt die Annahme nahe, daß sie der Gunst der damaligen Kaiser auch den Besitz des Königsgutes Leibenstadt zu verdanken haben.

Wegen einer Teilnahme an einer Verschwörung am kaiserlichen Hof, gerieten sie jedoch in finanzielle Not und waren daher ab 1262 gezwungen, ihre übertragenen Lehen abzugeben oder zu verpfänden. Unter dem Druck dieses ständig zunehmenden Machtverlustes suchten sie ihr Seelenheil in den Klöstern zu finden und bedachten diese mit umfangreichen Schenkungen und Kaufangeboten.

So verschwinden mit der nächsten Erwähnung im Jahre 1297, wo weitere Güter durch Verkauf an das Kloster Schöntal übergingen, die Dynasten von Dürn als Dorfherren unseres Ortes.
Der Dürnsche Eigenbesitz in Leibenstadt fiel durch Erbgang an Albrecht von Hohenlohe, der von 1290 bis zu seinem Tod im Jahre 1338 in Möckmühl residierte.
Da dieser nur einen Sohn im geistigen Stande hinterließ, starb gleichzeitig auch mit ihm diese Linie der Hohenlohe-Möckmühl aus.

Es folgte eine Zeit undurchsichtiger dynastischer Auseinandersetzungen, die eine genaue Zuordnung der Machtund Besitzverhältnisse, soweit sie Leibenstadt betreffen, fast unmöglich machen.

Begünstigt wurde diese Entwicklung noch durch das Fehlen eines ansässigen Ortsadels und der Besinnung der Grundherren auf ein christliches Leben in Abhängigkeit auftretender Ereignisse, wie Seuchen, Hungersnöte oder Naturkatastrophen, die im 14. Jh. an der Tagesordnung waren.

So wurde in den Jahren 1348-1351 nahezu ein Drittel der Bevölkerung in Mitteleuropa von der Pest, dem schwarzen Tod, dahingerafft. Ganze Dörfer wurden entvölkert, die Ackerflächen wurden nicht mehr bearbeitet und verödeten zusehends, so daß begleitende Hungersnöte das Massensterben noch verstärkten.

Unter dem Eindruck dieser "Strafe Gottes" sahen sich viele Herrschaften veranlaßt, auf ihre weltliche Macht zu verzichten und sich durch umfangreiche wohltätige Stiftungen auszuzeichnen, die manchem Dörflein zusätzliche Herren bescherten.
Es war wohl noch Albrecht selbst, der im Zuge umfangreicher Schenkungen den Leibenstadter Besitz aufgab.

Neben dem Zisterzienserkloster Schöntal hat nun zusätzlich das Nonnenkloster Seligenthal teil an unserem Heimatort und auch die Herren von Adelsheim müssen auf irgendeine Art und Weise bedacht worden sein, denn mit der nächsten sicheren Geschichtsquelle aus dem Jahre 1492 kommt wieder Licht in das Dunkel unserer Vorfahren.

In diesem Jahr heiratete der Kurpfälzische Kammerherr Eberhardt von Gemmingen, Burg Widdern-Maienfels, Magdalena, des Ritters von Adelsheim Erbtochter, die ihm als Mitgift 1000 Gulden und das Dörflein Leibenstadt mit in die Ehe brachte.

Sie erlebten miteinander eine sehr glückliche aber leider auch sehr kurze Zeit. Bereits 1501 starb Eberhardt und sein Sohn Eberhardt II., der sein Nachfolger werden sollte, war damals gerade ein Jahr alt. Von ihm wird erzählt, daß er zu früh geboren wurde und daher in einem hohlen Ziegel hinter dem Ofen warm gehalten werden mußte. Trotzdem ist er 72 Jahr alt und dank der sorgfältigen Erziehung durch seine sparsame und tüchtige Mutter ein frommer Mann und ein guter Verwalter seines Besitzes geworden, wenn er auch in jungen Jahren nach dem Tod der Mutter Opfer loser Gesellen wurde, die bei ihm eirikehrten und dafür sorgten, daß in kurzer Zeit Keller, Speicher und das Säckel leer waren.

Noch rechtzeitig fürchtete er ein böses Ende nahen und bat daher seinen Onkel, den Dietrich von Gemmingen zu Guttenberg, um Rat, der ihm gehörig die Leviten las und schließlich riet, seiner Schwester einzige Tochter, die Barbara von Wolfskehl, zur Frau zu nehmen. Eberhardt folgte diesem Rat und so kam eine Frau ins Haus, die mit Umsicht und Energie die verlotterte Haushaltung wieder in die richtige Bahn zu lenken wußte.

Der junge Ehemann ließ sich von diesem Ehrgeiz anstecken und mehrte sein Vermögen Schritt um Schritt. Auch ist es diesem Sinneswandel unseres ehemaligen Grundherrn zu verdanken, daß Leibenstadt die folgenden schweren Jahrzehnte der Reformation und des Bauernkrieges unbeschadet überstand. Starke Verweltlichung der Kirche und die damit verbundene "christliche Ausbeutung" ebneten den Boden für die Reformation, die durch die bekannten 95 Thesen des Martin Luther eingeleitet wurde.
Bereits 1521 trat Eberhardt IL zum neuen protestantischen Glauben über und mit ihm all seine Leibenstadter Untertanen, ohne daß es zu religiösen Auseinandersetzungen kam.

Dieses reformatorische Gedankengut beflügelte auch die Bauern, die darin eine Chance sahen, sich von Leibeigenschaft und Knechtschaft zu befreien.
Dadurch war im süddeutschen Raum die Zeit der Bauernkriege angebrochen.
Auch um Leibenstadt herum brodelte es gewaltig. In Scharen liefen sie ihrem Führer Georg Metzler, Wirt in Ballenberg, zu.

Nachdem sie sich während der Hüngheirner "Kerwe" am 26. März 1525 so richtig in Stimmung gebracht hatten, machte sich der plündernde Haufen auf seinen vernichtetenden Weg zu Kirchen, Klöstern und Adelssitzen. Am 4. April 1525 erreichten sie das Kloster Schöntal, um neben ihren Reformwünschen auch den dortigen Wein zu versuchen ... Dabei versoffen sie 21 Fuder Wein (1 Fuder = ca. 935 Liter!).

Zur gleichen Zeit wüteten sie auf ähnliche Weise in Oberund Unterkessach, die beide bis auf wenige Häuser den Flammen zum Opfer fielen. Auf ihrem Zug durch Jagst- und Seckachtal wurde das Kloster Seligenthal gebrandschatzt, ehe es Richtung Amorbach weiterging. Über eine Leibenstadter Beteiligung ist nichts bekannt; sie dürfte jedoch sehr gering gewesen sein, denn Eberhardt hat sich im Bewußtsein der Folgen nicht gegen die Bauern gestellt, sondern neutral verhalten und dadurch unsere Vorfahren vor den Schrecken dieses Krieges bewahrt.



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Auszug aus dem Heimatbuch